Chronik der Wasserrettungsstation Friedrichshagen am Müggelsee

20. Mai 1900

Die Rettungsgesellschaft der Wassersportvereine von Berlin und Umgebung (RWBU) errichtete in Friedrichshagen eine Warnstation.

Sie bestand aus einer Warntafel und einem Mast, an dem ein schwarzer Korbball aufgezogen werden konnte, wenn ungünstige Witterungen das Befahren des Sees mit offenen Booten gefährlich machte.

1908

Erste Besetzung der Warnstation durch Mitglieder der RWBU.

1914 bis 1918: 1. Weltkrieg

10. September 1927

Eröffnung der Station Friedrichshagen mit einem Beobachtungsturm.

1935

Besichtigung der Rettungseinrichtungen

Die Fachschaft für Heimatpflege im Verband Märkischer Wandervereine veranstaltete eine Besichtigung der Rettungseinrichtungen der Rettungsgesellschaft der Wassersportvereine in Friedrichshagen und Rahnsdorf. Die Friedrichshagener Station liegt bekanntlich zwischen dem Spreetunnel und dem Restaurant Bellevue. Sie hat vor allen anderen Stationen den Vorzug, daß aus Friedrichshagen sofort Ärzte herbeigerufen werden können und deshalb werden von der Station in Rahnsdorf die Verunglückten auch bei Unglücksfällen, bei denen ärztliche Hilfe notwendig ist, auf dem Wasserwege hierher transportiert, nachdem von Rahnsdorf aus ein Arzt in Friedrichshagen herbeigerufen ist . . .

bis 1939

wurden "Rund um den Müggelturm 2.024 Menschen aus Wassernot geborgen.

1939 bis 1945: 2. Weltkrieg

1946 bis 1947

Die Station Friedrichshagen hat die Kriegswirren fast unbeschadet überstanden. Es beginnt der Neuaufbau des Wasserrettungsdienstes.

1949: Gründung der DDR

1952

Übernahme der Verwaltung durch den Deutschen Sportausschuss des Magistrats von Groß-Berlin, Rettungsamt Berlin. Besatzung durch das Deutsche Rote Kreuz der DDR.

1957

Ersatz für die Boote aus den 30er Jahren durch Neubau nach einem Riss des Bootskonstrukteurs Ernst durch die VEB Yachtwerft Berlin im Auftrag des Rettungsamtes Berlin.

Inbetriebnahme unter der Kennung 2 B 4115, späterer Bootsname "Müggel II"

bis 1958

Friedrichshagen ist Einsatzstützpunkt, Hafen, Werft und Bootshaus des Wasserretungsdienstes. Hier lagen die Boote unter der Woche und wurden am Wochenende zu ihren Stützpunkten gebracht.

bis 1961

wurden die Hauptstationen, darunter auch Friedrichshagen, durch hauptamtliche Mitarbeiter des Rettungsamtes Berlin geführt, einschließlich Einsatzleiter und Bootsführer. Das Deutsche Rote Kreuz der DDR stellte die Rettungsschwimmer.

August 1961: Bau der Berliner Mauer

1961

Die Rettungsboote wurden durch die Deutsche Schiffs-Revision und Klassifikation (DSRK) Berlin erstmalig überprüft und neu klassifiziert.

Das Boot wurde nach den Vorschriften der DSRK besichtigt. Es wurde ohne Bauaufsicht der DSRK von dem VEB Yachtwerft Berlin gebaut und jetzt zur Neuklassifikation gestellt. Der Bootskörper entspricht in der technischen Ausführung den Vorschriften. Die Materialdicken der Längs- und Querversteifungen sind zum Teil nicht eingehalten und entsprechen nur der Klasse II. Die Schweißarbeiten wurden von geprüften Schweißern ausgeführt. Die Ruderanlage und Rettungsausrichtungen ergaben keine Mängel. Das Boot ist mit einem vorschriftsmäßigen Schlepphaken ausgerüstet.
Maschinenanlage: Die Anlage wurde der DSRK- Vorschrift 20 Bd.3 Ausgabe 1964 besichtigt. Die Ausführung entspricht der Instuktion für Ottomotore. Die Lenz-, Ruder- und Wellenanlage entspricht der o.g. Vorschrift. Die funktionstechnische Erprobung ergab keine Beanstandungen. Die E-Anlage wurde funktionsmäßig überprüft und ergab keine Mängel.

Neue Bezeichnung 4B 23-51, "Müggel II"

1969 bis 1970

Durch die VEB Yachtwerft Berlin wurde durchgeführt

- Überarbeitung der Wellenlager/Lager
- Erneuerung des Schnellverschlusses für die Benzinleitung
- Einbau einer neuen Handkolbenlenzpumpe
- Erneuerung der E-Anlage
- Überholung der Ruderanlage

1972

Turm- und Steganlage in Friedrichshagen wurden wegen Baufälligkeit abgerissen.

1974

Boot bekam einen orangefarbenen Farbanstrich.

1979

Boot bekam einen neuen Motor, die Maschine wurde auf Fundamenten elastisch gelagert. Zwischen dem Getriebe und der Wellenleitung ist eine elastische Kupplung eingebaut worden.

1981

Neue Rettungsboote im Einsatz

Der Wasserrettungsdienst unserer Hauptstadt hat seit Donnerstag seinen Park an schnellen Wassereinsatzfahrzeugen um zwei manövrierfähige Vollplastboote bereichert. Der formschöne, schnittige Bootstyp, 6,50 Meter lang und 2,20 Meter breit, ist so konstruiert, daß bei Bergungseinsätzen bestmögliche Bedingungen an Bord sind.
Beispielsweise erlaubt die niedriege Bordwand ein gutes Reinhieven der Verunglückten aus dem Wasser. Bis zur nächsten Saison werden die beiden Boote von Fachleuten erprobt . . . [Berliner Zeitung]

Sommer 1986

Erster Kontakt mit "West-Berliner" Rettungsschwimmern der DLRG.

1989/90: Mauerfall und Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland

06. Februar 1991

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Bezirk Köpenick bekommt diese Station und die Rettungsboote zur weiteren Nutzung übergeben.

Neue Bezeichnung des Rettungsbootes "Müggel II", Pelikan 61.

1994 bis 1995

Steganlage durch Eisgang stark beschädigt und 1995 komplett mit Turm abgerissen.

seit 2006

wurde der DLRG Bezirk Berlin Mitte mit der Durchführung des Wasserrettungsdienstes auf der Station Friedrichshagen beauftragt und ist sich dieser Verantwortung auch im Sinne der Tradition sehr wohl bewußt.

2008

Die umfangreiche Rekonstruktion des 50 Jahre alten Pelikan 61 'Müggel II' machte die Anschaffung eines Reservebootes notwendig, um die geforderte Einsatzstärke mit zwei Rettungsbooten sichstellen zu können. 

2010

Gefördert aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin baut die DLRG Berlin einen neuen Wasserrettungsturm am Müggelsee.

Er ersetzt das 10 Jahre zuvor errichtete Provisorium. Damit kann das Einsatzgebiet seit der Saison 2010 wieder besser bewacht werden. Die Turmkanzel verfügt über einen winddichten, verglasten Bereich mit Ferngläsern, Gewässerkarten und Telefon.

2012

Die durch das winterliche Eis auf dem Müggelsee beschädigte Steganlage wird neu gebaut.

Der Steg wird mitsamt Dalben neu errichtet. Stabiler gebaut und mit neuen Eisabweisern ausgerüstet sollen die Wasserretter für die nächsten Jahre gewappnet sein. Für die Rettungsboote stehen mehrere Anlegepositionen zur Verfügung.

Saison 2015/2016

Die Motoren der Boote Pelikan 62 und 63 machen immer wieder Probleme. Schon lange gibt es den Wunsch der Wasserretter, ein neues Boot anzuschaffen, um zuverlässig einsatzbereit zu sein. Mit dem Gewinn von 10.000€ bei einer Wettbewerbs-Abstimmung eines Berliner Radiosenders kann der Wunsch realisiert werden: Ein neues Boot wird im Frühjahr 2016 nach intensiven Besprechungen über Typ und Ausstattung in Auftrag gegeben.

Die Boote 62 (alt) und 63 werden nach Ende der Saison 2016 abgerüstet und an Privatnutzer verkauft. Somit geht mit dem Pelikan 62 "Poseidon" das jüngere der beiden DDR-Rettungsboote der Station "in Rente".

Saison 2017 - Ein neues Rettungsboot

Das neue Rettungsboot "Pelikan 62" wird Ende 2016 nach Berlin gebracht, dort finden über den Winter die verbleibenden Ausbauarbeiten statt: Reling, Schleppbügel mit den Blaulichtern und der Fahrstand mit Scheibe werden angebaut. In der Werft des Wasserrettungsdienstes in Köpenick verbringt ein Team der Wasserretter jede freie Minute mit den letzten Ausbauten an der Elektrik, den Zusatzgeräten und der Beklebung des Bootes.

Im April 2017 kann das neue Boot schließlich zu Wasser gelassen werden und geht  - kein Aprilscherz - am 1.4.2017 an der Wasserrettungsstation Friedrichshagen in Dienst. Die Taufe wird am 15. Juli beim Hafenfest in Berlin-Mitte stattfinden.